Die Kasse richtig führen

Die Kassenführung ist bei jeder Betriebsprüfung im Fokus der Finanzverwaltung, weil in diesem Bereich Hinzuschätzungen ausdrücklich erlaubt sind, wenn die Anforderungen nicht erfüllt worden sind. Dies kann soweit führen, dass die gesamte Buchführung verworfen wird. Es wird also dringend empfohlen, sich in diesem Bereich nicht angreifbar zu machen.

Gesetzesgrundlage für die Kassenbuchführung ist regelmäßig die Buchführungspflicht (§§ 5, 4 Abs. 1 EStG). Ist der Steuerpflichtige buchführungspflichtig – beispielsweise alle GmbH’s kraft Rechtsform – müssen die Bücher und Aufzeichnungen insbesondere den Vorschriften der §§ 140 bis 148 AO und §§ 238 ff. HGB entsprechen. Daneben sind auch Aufzeichnungspflichten zu erfüllen, die sich aus den Einzelsteuergesetzen und den außersteuerlichen Gesetzen ergeben.

Für Steuerpflichtige, die Ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG) ermitteln, sind grundsätzlich nicht zur Kassenbuchführung verpflichtet. Eine Verpflichtung zur Einzelaufzeichnung ergibt sich jedoch auch für Einnahmen-Überschussrechner gemäß § 22 UStG. Nach § 146 Abs. 5 S. 1 HS. 2 AO sind die Aufzeichnungen indes lediglich so zu führen, dass sie dem konkreten Besteuerungszweck genügen. Sie können auch in der geordneten Ablage von Belegen bestehen (BFH 16.2.06, X B 57/05).

Um die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung zu gewährleisten – und das gilt für alle Gewinnermittlungsarten – sollten in der Praxis insbesondere die nachfolgenden Punkte zwingend beachtet werden:

  • Die Kasse ist täglich zu führen: Nach § 146 Abs. 1 S. 2 AO sollen alle Kasseneinnahmen und -ausgaben täglich festgehalten werden.
  • Einzelaufzeichnungspflicht: Die Kassenaufzeichnungen müssen chronologisch sortiert und fortlaufend nummeriert werden. Die Tageseinnahmen sind getrennt nach 7 % USt und 19 % USt aufzuzeichnen (§ 22 UStG).
  • Kassensturzfähigkeit: Die Kassenaufzeichnungen sind so zu führen, dass der Soll-Bestand jederzeit mit dem Ist-Bestand der Geschäftskasse verglichen werden kann (vgl. u.a. BFH 17.11.81, VIII R 174/77).
  • Keine Buchung ohne Beleg: Für sämtliche Tageseinnahmen und Tagesausgaben müssen Belege vorliegen.
  • Kassenminusbestände: Der Kassenbestand darf nie negativ sein.
  • Nachvollziehbarkeit von Veränderungen: Fehlerhafte Eintragungen sind so abzuändern, dass die ursprüngliche Erfassung lesbar und nachvollziehbar ist.

Um die Kassenbuchführung umzusetzen gibt es zwei Möglichkeiten. Man unterscheidet die sog. offene Ladenkasse und die Registrierkasse. Im Folgenden möchte ich auf die beiden Arten näher eingehen.

Offene Ladenkasse

Bei so genannten Schubladenkassen (ohne Registriererfassung) ist für jeden Tag ein gesonderter Vordruck „Tageskassenbericht“ auszufüllen. Dies muss handschriftlich erfolgen. Damit werden selbsterstellte Excel-Tabellen zu einem erheblichen Risikopotential, da diese seitens der Finanzbehörde als nicht manipulationssicher eingestuft werden.

Aus Gründen der Zumutbarkeit und Praktikabilität waren aber bestimmte Berufsgruppen von der Pflicht zur Einzelaufzeichnung entbunden, soweit sie Waren von geringem Wert an eine unbestimmte Vielzahl nicht bekannter und auch nicht fest stellbarer Personen verkaufen. Diese Auffassung des BFH ist allerdings überholt und kann nicht mehr angewendet werden.

Deshalb sind zusätzliche Aufzeichnungen für jeden Geschäftsvorfall nötig. Wird eine nicht GdPU-konforme Registrierkasse verwendet, so ist dies eine Schubladenkasse, für die tägliche Zählprotokolle und tägliche Kassenberichte zu erstellen sind. Zusätzlich müssen Einzelaufzeichnungen geführt werden.

Die nachfolgende tägliche retrograde Ermittlung ist bei einer offenen Ladenkasse unumgänglich:

Tagesendbestand (Endbestand zum Geschäftsschluss)
./. Anfangsbestand (Kassenbestand des Vortages)
= Zwischensumme (Saldo aus Tageseinnahmen und Tagesausgaben)
+ Kassenausgaben des Tages
+ Geldtransit auf das betriebliche Konto oder weitere Kassen
+ Privatentnahmen
./. Privateinlagen
./. Sonstige Tageseinnahmen
= Kasseneinnahmen des Tages

Auch EDV-Kassen, die nicht als Registrierkasse funktionieren und zur Erfassung dienen, gehören zu den Schubladenkassen.

Registrierkassen

Zu den besonderen Anforderungen und den Aufbewahrungserfordernissen hat das BMF (26.11.10, IV A 4 – S 0316/08/10004-07) Stellung genommen. Danach sind Unterlagen i.S. des § 147 Abs. 1 AO, die mithilfe eines Datenverarbeitungssystems erstellt worden sind, während der Dauer der Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren jederzeit verfügbar, unverzüglich lesbar und maschinell auswertbar aufzubewahren (§ 147 Abs. 2 Nr. 2 AO). Die von dem BMF-Schreiben betroffenen Geräte sowie die mit ihrer Hilfe erstellten digitalen Unterlagen müssen neben den „Grundsätzen ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme (GoBS)“ auch den „Grundsätzen zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen (GDPdU)“ entsprechen (§ 147 Abs. 6 AO).

Insbesondere müssen alle steuerlich relevanten Einzeldaten einschließlich etwaiger mit dem Gerät elektronisch erzeugter Rechnungen i.S. des § 14 UStG unveränderbar und vollständig aufbewahrt werden (Einzelaufzeichnungspflicht).

Darüber hinaus führt das BMF in seinem Schreiben vom 26.11.2010 aus, dass Grundlagenaufzeichnungen zur Überprüfung der Bareinnahmen für jedes einzelne Gerät getrennt geführt und aufbewahrt werden müssen. Die zum Gerät gehörenden Organisationsunterlagen müssen aufbewahrt werden, insbesondere die Bedienungsanleitung, die Programmieranleitung und alle weiteren Anweisungen zur Programmierung des Geräts (§ 147 Abs. 1 Nr. 1 AO).

Registrierkassen, die den besonderen Anforderungen des BMF-Schreibens bauartbedingt nicht genügen, dürfen übergangsweise noch bis zum 31.12.2016 eingesetzt werden. Technisch mögliche Softwareanpassungen und Speichererweiterungen sind jedoch durchzuführen. Können Registrierkassen technisch nicht aufgerüstet werden, müssen die Anforderungen des Schreibens des BMF (9.1.96, IV A 8 – S 0310 – 5/95) weiterhin vollumfänglich beachtet werden.

Im Schreiben vom 09.01.1996 führt das BMF detailliert auf, welche Unterlagen aufbewahrt werden müssen, um beim Einsatz von elektronischen Registrierkassen auf die Aufbewahrung von Kassenstreifen verzichten zu können. U.a. müssen die mit der Registrierkasse erstellten Rechnungen, die zur Kasse gehörenden Organisationsunterlagen sowie die Tagesendsummenbons mit Ausdruck des Nullstellungszählers („Z-Bons“) aufbewahrt werden.

Folgen und Würdigung

Ist die Kassenführung nicht ordnungsgemäß, hat dies bei einem Betrieb mit nicht untergeordneten Barumsätzen den Verlust der Ordnungsmäßigkeit der gesamten Buchführung zur Folge. Das Ergebnis der Buchführung (Umsatz, Gewinn) entfaltet somit keine Beweiskraft für die Besteuerung (§ 158 AO). Das Finanzamt kann die Besteuerungsgrundlagen schätzen (§ 162 AO). Sofern die Finanzbehörde darüber hinaus durch Schlüssigkeitsverprobungen Differenzen feststellt, die nicht substantiell widerlegt werden können, folgt daraus neben Umsatz- und Gewinnzuschätzungen regelmäßig auch ein Steuerstrafverfahren.

Die Kassenführung ist eine Herausforderung. Registrierkassen sind erste Mittel der Wahl. Zwar entstehen durch Kauf oder Leasing der Registrierkasse gewisse Kosten. Sie sind aber gering im Verhältnis zu den sonst entstehenden Nachteilen, wenn die Buchführung wegen schwerwiegender Kassenfehler verworfen wird. Nur die Registrierkasse setzt die Standards, damit Barerlöse einzeln nachweisbar erfasst werden. Er wird diese Fehleinstellung schon bei der nächsten Prüfung teuer bezahlen, wenn seine Kassenführung verworfen wird und es zu teuren Hinzuschätzungen kommt. Im Endeffekt ist damit die Registrierkasse die einzige Lösung für eine ordnungsgemäße Kassenführung bei bargeldintensiven Betrieben.

Die Frage welche Betriebe zu den bargeldintensiven Betrieben gehören, ist eine Einschätzungsfrage. In letzter Konsequenz muss der Unternehmer entscheiden, in welchem Umfang Bargeschäfte getätigt werden und ob das Risiko eingegangen werden kann, die Kasse als offene Ladenkasse zu führen.

Kirchensteuerabzugsverfahren ab 01.01.2015

Zum 1.1.2015 wird ein „automatisiertes Verfahren“ zum Abzug von Kirchensteuer auf abgeltend besteuerte Kapitalerträge eingerichtet. Wir möchten Ihnen im Folgenden das notwendige Wissen vermitteln, damit Sie ihren neuen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen können. Relevant ist dies nur, wenn Sie eine Kapitalgesellschaft (GmbH, AG und UG) führen und u. U. Ausschüttungen vornehmen möchten.

Ab 2014 müssen alle Kirchensteuerabzugsverpflichteten, z. B. Kapitalgesellschaften, Kreditinstitute, Versicherungen, Genossenschaften (im Folgenden stellvertretend GmbH genannt) die Kirchensteuermerkmale ihrer Empfänger von Kapitalerträgen elektronisch beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) abrufen (§ 51a Abs. 2c und e EStG). Dieser Abruf hat jedes Jahr im Zeitraum vom 1. September bis 31. Oktober zu erfolgen.

Auf Basis der den Abzugsverpflichteten vom BZSt bereitgestellten Informationen wird dann die auf die Abgeltungsteuer entfallende Kirchensteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Um diesen neuen Anforderungen nachkommen zu können, müssen Sie folgende Schritte durchführen:

  1. Stellen Sie bitte einen Antrag auf Registrierung zur elektronischen Übermittlung von Daten im Verfahren nach § 51a Absatz 2c des Einkommensteuergesetzes (Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer) über das BZStOnline-Portal ausfüllen und per Post an den Adressaten verschicken.
  2. Mit den daraufhin vom Bundeszentralamt für Steuern übermittelten Zugangsdaten kann das BZStOnline-Portal-Zertifikates erworben werden.
  3. Im Anschluss registrieren Sie sich beim BZSt und beantragen ein Zertifikat für das BZStOnline-Portal.
  4. Wenn Sie sich in das Portal eingelockt haben, können Sie den Antrag unter Dienste / Kirchensteuerabzugsverfahren digital ausfüllen. Sie erhalten dann ein ausgefülltes Formular in Ihren Nachrichten, welches Sie bitte unterschrieben mit der Post verschicken.

Die Registrierung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Hinweis: Auch ein bereits bestehendes BOP-Zertifikat kann ebenso wie ein bestehendes ELSTER-Zertifikat verwendet werden. Nach der Registrierung muss die GmbH noch die Zulassung zum Kirchensteuerabzugsverfahren beantragen.

Hinweis: Es ist rechtlich leider nicht möglich, dass Dritte (z. B. Kanzlei, DATEV) das Zulassungsverfahren für die GmbH übernehmen.

Hinweis: Wird der Kirchensteuereinbehalt ab 2015 unterlassen, haftet der Steuerabzugsverpflichtete für die nicht abgeführte Kirchensteuer.

Hinweis: Gesellschaften mit nur einem Gesellschafter (z. B. 1-Personen-GmbH), deren Gesellschafter-Geschäftsführer konfessionslos ist bzw. keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört (z.B. muslimische Religionsgemeinschaften). Wenn dem Kirchensteuerabzugsverpflichteten eine zweite natürliche Person angehört, hat sich die Kapitalgesellschaft beim BZSt zum Verfahren zuzulassen und die Kirchensteuermerkmale abzufragen. Sollten an einer GmbH allerdings nur Gesellschafter beteiligt sein, die keiner Religionsgemeinschaft angehören wird die Verpflichtung ins Leere laufen. Strafen sind in diesem Fall nach mündlicher Auskunft des BZSt nicht vorgesehen.

Folgende Termine sind nunmehr für Sie wichtig:

  • Bis 31. August 2014 sollte das oben genannte Zulassungsverfahren erfolgt sein.
  • Zwischen 1. September und 31. Oktober 2014 muss die Abfrage der Kirchensteuermerkmale der Empfänger von Kapitalerträgen beim BZSt erfolgen.
  • Ab 1. Januar 2015 ist das Ergebnis der Abfrage der Kirchensteuermerkmale im Rahmen der Kapitalertragsteuer Anmeldung zu verwenden.

Als Empfänger von Kapitalerträgen dem Abruf widersprechen

Empfänger von Kapitalerträgen können jeweils jährlich bis 30.6. beim BZSt dem elektronischen Abruf ihres Kirchensteuerabzugsmerkmals widersprechen, erstmals somit bis 30.6.2014 mit Wirkung für 2015. In diesem Fall erfolgt die Kirchensteuererhebung wie bislang im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung.

Senkung der Lohnnebenkosten durch Extras für Mitarbeiter

Die Lohnnebenkosten in Deutschland sind erheblilch. Ein Beispiel möge dies verdeutlichen:

Ein Arbeitnehmer mit einem Bruttoverdienst von 2.500 Euro bekommt bei der Steuerklasse 1 und Kirchensteuerpflicht in Bayern nach Abzug von Arbeitslosenversicherung (37,50 Euro), Rentenversicherung (236,25 Euro), Krankenversicherung (205 Euro), Pflegeversicherung (31,88 Euro), Lohnsteuer (366,33 Euro), Kirchensteuer (29,30 Euro), Solidaritätszuschlag (20,14 Euro) netto 1.617,77 Euro überwiesen.

Für den Arbeitgeber fallen zusätzlich Arbeitslosenversicherung (37,50 Euro), Rentenversicherung (236,25 Euro), Krankenversicherung (182,50 Euro), Pflegeversicherung (25,36 Euro) an.

Insgesamt betragen die Kosten für den Arbeitgeber 2.981,88 Euro (ohne Unfallversicherung, Kosten für die Lohnabrechnung und sonstiger Kosten).

Vor diesem Hintergrund ist jeder Unternehmer angehalten, besondere Vergünstigungen für Arbeitnehmer zu nutzen, um beispielsweise eine anstehende Gehaltserhöhung optimal für beide Seiten umzusetzen. Im folgenden werden die wichtigsten Extras für Mitarbeiter ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgeführt:

Sachzuwendungen in Höhe von 44 Euro pro Monat sind steuer- und sozialabgabenfrei. Sie dürfen nicht vertraglich vereinbart sein und auch nicht in Geld ausbezahlt werden. Sachen wie z.B. Gold, Silber und Gutscheine sind erlaubt. Bei Gutscheinen ist darauf zu achten, dass keine Barauszahlung möglich ist.

Aufmerksamkeiten in Form von Sachzuwendungen von geringfügigem Wert bis 40 Euro pro Monat, anlässlich eines besonderen persönlichen Ereignisses z.B. Blumen zum Geburtstag sind steuer- und sozialabgabenfrei.

Kindergartenzuschuss, in Form von Aufwendungen für die Kinderbetreuung bis zur tatsächlichen Höhe sind steuer- und sozialabgabenfrei, wenn der Arbeitgeber die Zahlungen ausführt.

Essensgutscheine in Höhe von derzeit 6,10 Euro sind pauschal mit 25% zu versteuern. Interessant ist, dass nur der amtliche Sachbezugswert in Höhe von derzeit 3 Euro vom Arbeitgeber versteuert werden muss. 3,10 Euro sind steuer- und sozialabgabenfrei. Die Finanzverwaltung erlaubt 15 Gutscheine im Monat ohne Verwendungsnachweis pro Mitarbeiter. Für Essensgutscheine brauchen Sie einen Anbieter, wie z.B. Sodexo oder Edenred über die solche Gutscheine bezogen werden können. Je nach Anbieter gibt es unterschiedliche Akzeptanzpartner, die diesen Geldersatz entgegennehmen.

Ausschließlich betriebliche Ausgaben dürfen ersetzt werden. Einzelnachweis erforderlich. Hierzu zählt dann auch die klassische Reisekostenabrechnung, übrigens auch der Unfallschaden auf einer betrieblichen Fahrt mit dem privaten PKW. Der Gesetzgeber erlaubt doppelte Pauschalen, wobei dann in der Lohnabrechnung eine pauschale Versteuerung auf den verdoppelten Anteil vorzunehmen ist.

Kommunikation. Darunter fallen unter anderem Mobiltelefone und Faxgeräte. Entscheidend ist hier wie bei den Personal Computern, dass der Telekommunikationsträger im Eigentum des Arbeitgebers verbleibt um eine Steuerfreiheit zu gewährleisten. Ob das Telekommunikationsgerät ausschließlich privat genutzt wird, ist nicht steuerrelevant. Der private Telefonanschluss kann vom Arbeitgeber bezuschusst werden, der Zuschuss muss vom Arbeitgeber pauschal mit 25% versteuert werden.

Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit. Steuer- und sozialversicherungsfreie Zuschläge können nur gewährt werden, wenn die Arbeit in den begünstigten Zeiten erfolgt und die Arbeit tatsächlich geleistet wurde. Die Zuschüsse müssen neben dem Grundlohn und somit zusätzlich zum regulären Lohn oder Gehalt gezahlt werden. Die maximalen Zuschlagssätze variieren. Nachtarbeit 25%, Sonntagsarbeit 50%, gesetzliche Feiertag 125%. Der Spitzensatz von 150% kann während die Weihnachtstage auftreten. Der Arbeitnehmer muss für jeden Mitarbeiter die Zuschläge anhand von Einzelaufzeichnungen nachweisen. Für den Bereich der Sozialversicherung besteht die Sonderregelung, dass die Sozialversicherungsfreiheit der Zuschläge für Sonntags-, Feiertags. und Nachtarbeit auf einen Stundengrundlohn von max. 25 Euro begrenzt ist.

Arbeitgeber können ihren Beschäftigten gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten oder externe Kurse zur Gesundheitserhaltung mit bis zu 500 Euro pro Jahr bezuschussen. Steuerbefreit sind dabei bestimmte Handlungsfelder. Darunter fallen die Vorbeugung und Reduzierung arbeitsbedingter Belastungen des Bewegungsapparats. Außerdem die gesundheitsgerechte betriebliche Gemeinschaftsverpflegung, die psychosoziale Belastung, Stress und der Suchtmittelkonsum.

Wird dem Arbeitnehmer ein Auto zur Verfügung gestellt, muss die private Nutzung versteuert werden, der sog. geldwerte Vorteil. Dieser ist steuer- und sozialversicherungspflichtig. Man unterscheidet zwei Berechnungsmethoden. Die 1% Methode und die Fahrtenbuchmethode. In der Regel entsteht durch die 1% Regelung ein nicht unerheblicher Vorteil für den Arbeitnehmer. Je günstiger das Auto in der Anschaffung, desto geringer ist der geldwerte Vorteil.

Suchen Sie noch weitere Möglichkeiten, wie Sie ihre Mitarbeiter zusätzlich motivieren können? Wir stehen Ihnen gerne Rede und Antwort.

 

 

 

Vergünstigungen für Elektrofahrzeuge

Da bei Elektro- und extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen der Listenpreis deutlich über dem von Kraftfahrzeugen liegt, die ausschließlich mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, hat der Gesetzgeber die Vorschrift zur Bewertung der Entnahme angepasst, um damit auch einen Anreiz für den Erwerb solcher Fahrzeuge zu schaffen.

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 zweiter Halbsatz EStG ist bei der privaten Nutzung von Fahrzeugen mit Antrieben ausschließlich durch Elektromotoren, die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden, oder von extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen der Listenpreis um die darin enthaltenen Kosten des Batteriesystems im Zeitpunkt der Erstzulassung des Kraftfahrzeugs wie folgt zu mindern:

  • Für bis zum 31. 12. 2013 angeschaffte Kfz um 500 € pro kWh der Batteriekapazität. Dieser Betrag mindert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kfz um jährlich 50 € pro kWh der Batteriekapazität.
  • Die Minderung pro Kraftfahrzeug beträgt höchstens 10.000 €. Dieser Höchstbetrag mindert sich für in den Folgejahren angeschaffte Kfz um jährlich 500 €.

Auch bei der nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG bestehenden Möglichkeit, die private Nutzung nicht nach der 1 %-Methode, sondern mit den auf die Privatfahrten entfallenden Aufwendungen anzusetzen, wenn die für das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden, wurde eine entsprechende Anpassung vorgenommen. Dabei sind bei der Berechnung der Höhe der Entnahme die auf die Anschaffung des Batteriesystems entfallenden Kosten bei der Ermittlung der Gesamtkosten auszuscheiden: Entweder sind die Absetzungen für Abnutzung entsprechend zu mindern oder ein zusätzlich gezahltes Entgelt für den Akkumulator ist von den Gesamtkosten abzuziehen. Dies gilt nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 EStG auch bei der Ermittlung der Höhe der nicht abziehbaren Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte.

Die Neuregelungen finden nach § 8 Abs. 2 Satz 2 und 3 EStG auch bei Arbeitnehmern bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils aus der Überlassung des betrieblichen Kraftfahrzeugs zur privaten Nutzung als auch in den Fällen der Nutzung des Kraftfahrzeugs für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte Anwendung.

Hinsichtlich der erstmaligen Anwendung schreibt § 52 Abs. 16 Satz 11 EStG vor, dass die Änderungen für Fahrzeuge mit Antrieben ausschließlich durch Elektromotoren, die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden oder von extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen anzuwenden sind, die vor dem 1. 1. 2023 angeschafft werden. Demzufolge sind auch bereits zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Regelung im Betriebsvermögen vorhandene Fahrzeuge begünstigt.

Nimmt man den VW Elektro-Up als Beispiel berechnet sich die 1% Regelung aus dem inländischen Listenpreis von 26.900 Euro abzüglich der Vergünstigung für das Batteriesystem in Höhe von 18,7 kWh x 500 Euro = 9.350 Euro. Somit beträgt der geldwerte Vorteil 17.770 Euro oder 177,70 Euro pro Monat. Hinzu käme noch die Pauschale für die Strecke Wohnung Betrieb.

Neuanschaffung eines Autos über die Firma oder im Privatvermögen

Wird ein Auto privat erworben, sind sämtliche Kosten privat zu tragen (aus dem steuerlichen Nettoeinkommen). Für betriebliche Fahrten sieht der Gesetzgeber pauschal 30 Cent pro Kilometer vor, die man sich „steuerfrei“ aus der Firma „holen“ kann. In der Regel erfolgt das durch eine Reisekostenabrechnung. Wer sich die Mühe macht alle Kosten zu erfassen, kann auch den tatsächlichen Kostensatz geltend machen.

Wird ein Auto durch die Firma angeschafft, muss die private Nutzung versteuert werden. Dies geschieht entweder über die 1% Regelung oder über ein Fahrtenbuch. Ein Fahrtenbuch lohnt sich, wenn Sie mehr geschäftlich unterwegs sind als privat. Die Abrechnung erfolgt über die Lohnabrechnung anhand der tatsächlichen Kosten und entsprechend dem privaten Anteil der Nutzung. Problematisch ist hier zu erwähnen, dass das Finanzamt das Fahrtenbuch nicht anerkennt, wenn mehr als drei Fehler enthalten sind. Aus diesem Grund empfehlen wir nur digitale, GPS-unterstützte und fest eingebaute Systeme. Egal wie Sie ein Auto versteuern, es werden alle Kosten im Betrieb erfasst und die Vorsteuer geltend gemacht. Die private Nutzung wird mit Umsatzsteuer belegt, im Fall der 1% Regelung mit einer Bemessungsgrundlage von 80%.

Wenn das Auto ausschließlich betrieblich genutzt wird, muss dies durch ein Fahrtenbuch nachgewiesen werden. Nur im Ausnahmefall kann dies unterbleiben, z.B. wenn es ein zweites, gleichwertiges Auto im Privatvermögen gibt und es schlüssig dargelegt werden kann, dass es sich bei dem Firmenwagen um ein reines betrieblich Fahrzeug handelt. In diesem Fall müsste aber die private Nutzung durch vertragliche Grundlagen im Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden.

Unser Tipp: Die 1% Regelung und ein Auto mit einem möglichst geringen Bruttolistenpreis ist aus steuerlicher Sicht empfehlenswert und man hat den geringsten Aufwand bzw. Stress. Fragen Sie uns für Ihre spezielle Situatuation, da es neben diesen Grundregeln eine Menge an Ausnahmen zu beachten gibt.

Umsatzsteuerbefreiung für Tanzschulen

Es gibt wieder neue Nachrichten bezüglich der Umsatzsteuerbefreiung von Tanzschulen.

Die Oberfinanzdirektion (OFD) Niedersachsen hat am 11.02.2013 ein Schreiben erlassen, wo Medaillentanzen und Welttanzprogramm explizit nicht zu steuerfreien Umsätzen zählen. Das Schreiben habe ich dieser Email beigefügt. Trotzdem haben wir einzelne Finanzämter, die dieses Schreiben offensichtlich nicht anwenden und die Umsatzsteuerrückerstattungen ausbezahlen. Diese Bescheide stehen aber unter dem Vorbehalt der Nachprüfung und können von der Finanzverwaltung aber auch vom Mandanten jederzeit geändert werden bis die Festsetzungsverjährung eingetreten ist.

Das Regierungspräsidium Freiburg (Baden-Württemberg) schreibt: „In die Bescheinigung können nur die Kurse aufgenommen werden, die notwendige Voraussetzung für den Beruf des Tanzlehrers sind. Diese sind Kurse nach WTP und Medaillenkurse“.

Auch in einer aktuellen Betriebsprüfung wird der Prüfer zu keinem abschließendem Ergebnis hinsichtlich der umsatzsteuerlichen Behandlung kommen und die Entscheidung vorgesetzten Stellen überlassen.

Offensichtlich gibt es zwar eine aktuelle Gesetzeslage, aber deren Anwendung scheint derart unbestimmt zu sein, dass wir inzwischen von einer Vielzahl von Einzelsachverhalten ausgehen, die je nach Finanzamt und nach Bundesland zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Wir empfehlen allen Tanzschulen die Umsatzsteuererstattungen vorerst nicht zu verausgaben und für eine etwaige Rückzahlung bereit zu halten. Sollten nun „Umkehrbescheide“ kommen, ist eine Rückzahlung innerhalb eines Monats erforderlich. Ein Wort zur Statistik: Bisher haben wir noch keinen Fall, wo die Umsatzsteuerrückerstattungen wieder zurückgefordert wurden.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Rechtsunsicherheit schnell durch klare und eindeutige Regeln beseitigt wird.