Kirchensteuerabzugsverfahren ab 01.01.2015

Zum 1.1.2015 wird ein „automatisiertes Verfahren“ zum Abzug von Kirchensteuer auf abgeltend besteuerte Kapitalerträge eingerichtet. Wir möchten Ihnen im Folgenden das notwendige Wissen vermitteln, damit Sie ihren neuen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen können. Relevant ist dies nur, wenn Sie eine Kapitalgesellschaft (GmbH, AG und UG) führen und u. U. Ausschüttungen vornehmen möchten.

Ab 2014 müssen alle Kirchensteuerabzugsverpflichteten, z. B. Kapitalgesellschaften, Kreditinstitute, Versicherungen, Genossenschaften (im Folgenden stellvertretend GmbH genannt) die Kirchensteuermerkmale ihrer Empfänger von Kapitalerträgen elektronisch beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) abrufen (§ 51a Abs. 2c und e EStG). Dieser Abruf hat jedes Jahr im Zeitraum vom 1. September bis 31. Oktober zu erfolgen.

Auf Basis der den Abzugsverpflichteten vom BZSt bereitgestellten Informationen wird dann die auf die Abgeltungsteuer entfallende Kirchensteuer einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Um diesen neuen Anforderungen nachkommen zu können, müssen Sie folgende Schritte durchführen:

  1. Stellen Sie bitte einen Antrag auf Registrierung zur elektronischen Übermittlung von Daten im Verfahren nach § 51a Absatz 2c des Einkommensteuergesetzes (Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer) über das BZStOnline-Portal ausfüllen und per Post an den Adressaten verschicken.
  2. Mit den daraufhin vom Bundeszentralamt für Steuern übermittelten Zugangsdaten kann das BZStOnline-Portal-Zertifikates erworben werden.
  3. Im Anschluss registrieren Sie sich beim BZSt und beantragen ein Zertifikat für das BZStOnline-Portal.
  4. Wenn Sie sich in das Portal eingelockt haben, können Sie den Antrag unter Dienste / Kirchensteuerabzugsverfahren digital ausfüllen. Sie erhalten dann ein ausgefülltes Formular in Ihren Nachrichten, welches Sie bitte unterschrieben mit der Post verschicken.

Die Registrierung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Hinweis: Auch ein bereits bestehendes BOP-Zertifikat kann ebenso wie ein bestehendes ELSTER-Zertifikat verwendet werden. Nach der Registrierung muss die GmbH noch die Zulassung zum Kirchensteuerabzugsverfahren beantragen.

Hinweis: Es ist rechtlich leider nicht möglich, dass Dritte (z. B. Kanzlei, DATEV) das Zulassungsverfahren für die GmbH übernehmen.

Hinweis: Wird der Kirchensteuereinbehalt ab 2015 unterlassen, haftet der Steuerabzugsverpflichtete für die nicht abgeführte Kirchensteuer.

Hinweis: Gesellschaften mit nur einem Gesellschafter (z. B. 1-Personen-GmbH), deren Gesellschafter-Geschäftsführer konfessionslos ist bzw. keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört (z.B. muslimische Religionsgemeinschaften). Wenn dem Kirchensteuerabzugsverpflichteten eine zweite natürliche Person angehört, hat sich die Kapitalgesellschaft beim BZSt zum Verfahren zuzulassen und die Kirchensteuermerkmale abzufragen. Sollten an einer GmbH allerdings nur Gesellschafter beteiligt sein, die keiner Religionsgemeinschaft angehören wird die Verpflichtung ins Leere laufen. Strafen sind in diesem Fall nach mündlicher Auskunft des BZSt nicht vorgesehen.

Folgende Termine sind nunmehr für Sie wichtig:

  • Bis 31. August 2014 sollte das oben genannte Zulassungsverfahren erfolgt sein.
  • Zwischen 1. September und 31. Oktober 2014 muss die Abfrage der Kirchensteuermerkmale der Empfänger von Kapitalerträgen beim BZSt erfolgen.
  • Ab 1. Januar 2015 ist das Ergebnis der Abfrage der Kirchensteuermerkmale im Rahmen der Kapitalertragsteuer Anmeldung zu verwenden.

Als Empfänger von Kapitalerträgen dem Abruf widersprechen

Empfänger von Kapitalerträgen können jeweils jährlich bis 30.6. beim BZSt dem elektronischen Abruf ihres Kirchensteuerabzugsmerkmals widersprechen, erstmals somit bis 30.6.2014 mit Wirkung für 2015. In diesem Fall erfolgt die Kirchensteuererhebung wie bislang im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung.